Führen im Öffentlichen Dienst


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Stress und das

Parkinson'sche Gesetz


Führungskräfte sind oft in schwierigen Situationen: Sie müssen ein bestimmtes Projekt oder ein bestimmtes Vorhaben fertig stellen, unter Zeitdruck, möglicherweise fehlen wichtige Informationen oder Zuarbeit von Mitarbeitern. Viel hängt vom Ergebnis ab: Möglicherweise auch die eigene Karriere.


Sie kennen solche Situationen sicher. Auf jeden Fall bräuchten Sie jetzt das Maximum an Leistungsfähigkeit, das Ihr Gehirn liefern kann. Alles hängt davon ab, dass Sie jetzt in diesem Moment Ihre geistigen Kräfte und Ihre Konzentration zusammennehmen um diese Herausforderung zu meistern.


Und genau in dieser Situation versagt Ihr sonst so gut arbeitendes Gehirn. Ihre Konzentration lässt nach, Sie vergessen Termine, Ihre Kreativität ist gehemmt und Sie machen Fehler, die sonst nur Anfängern passieren würden.


In dieser Situation sind Sie Opfer von schlechtem Stress. Vielleicht denken Sie jetzt, dass Stress doch immer schlecht sei. Ich werde Ihnen gleich zeigen, dass Stress auch seine guten Seiten hat. Lassen Sie uns zunächst beim schlechten Stress bleiben. In den Tiefen unseres Gehirns, im so genannten Reptilienhirn, haben wir einen eingebauten Selbstschutz-Mechanismus. Dieser Mechanismus muss nicht trainiert werden. Er steht uns als Geschenk der Natur immer zur Verfügung.


Vielleicht können Sie sich eine Situation erinnern, wo Sie instinktiv, ohne zu überlegen, richtig gehandelt haben und sich somit aus einer brenzligen Situation gerettet haben. Vielleicht sind Sie blitzartig von der Straße gesprungen als ein Auto Sie beinahe angefahren hätte. Sie haben sich dann gedacht: "Das war knapp. Ich habe das Auto gar nicht kommen sehen. Merkwürdig, dass ich trotzdem weggesprungen bin."


Sie kennen vielleicht auch diese Situation: Sie schlendern gemütlich durch eine ruhige Straße und sind in Gedanken ganz woanders. Plötzlich stürmt aus einem angrenzenden Garten ein Hund gegen den Zaun und bellt Sie an. Automatisch springen Sie weg und nehmen eine Verteidigungs-Haltung ein. Sie haben sich gar nicht bewusst dazu entschieden, zur Seite zu springen. Jemand anderes übernahm für einen kurzen Moment die Kontrolle. Dieser jemand ist das Reptilien-Gehirn.

Immer dann, wenn wir uns in einer Situation befinden, die wir als existenzielle Bedrohung gedeutet werden kann, schaltet sich unser Reptilienhirn ein. Dies kann so weit gehen, dass das Reptilien-Gehirn für einen Moment die vollständige Kontrolle über den Körper übernimmt.


Dieser Selbstschutz-Mechanismus hat drei Programme: angreifen, flüchten und totstellen. Das Reptilienhirn wählt aus diesen dreien das aus seiner Sicht passende Programm aus. An sich ist dieser Mechanismus ein großartiges Geschenk der Natur. Der Steinzeitmensch hatte eben keine Möglichkeit, sich schnell eine Strategie zu überlegen, wenn sich plötzlich ein Säbelzahntiger auf ihn stürzte.


Das Problem an der Sache ist: In unserem Alltag gibt es keine Säbelzahntiger mehr. Unser Selbstschutz-Mechanismus ist trotzdem noch aktiv. In vielen Situationen ist er jedoch sehr störend. Gehen wir zurück zu unserer Ausgangslage, bei der ein wichtiges Projekt ansteht und wir uns kaum konzentrieren können. Da wir wissen, wie Bedeutsam das Projekt ist und damit existenzielle Ängste in uns erzeugt werden, schaltet sich das Reptilien-Gehirn ein.


Es erkennt eine Bedrohung und gibt dem Körper folgenden Befehl: "Wir werden bedroht. Es geht um unsere Existenz. Wir müssen so schnell und weit wie möglich weg rennen. Erhöhe den Puls, spanne die Muskeln an und pumpe das gesamte Blut in die Bein- und Armmuskulatur, damit wir schnellstmöglich hier wegkommen."

Leider bleibt bei diesem Fluchtprogramm kein Blut mehr übrig, um Ihr Gehirn ausreichend zu versorgen. Das führt dazu, dass die Funktionen, die Sie jetzt eigentlich bräuchten, nicht mehr voll verfügbar sind.


Dies ist also der schlechte Stress. Was können wir dagegen tun? Die gute Nachricht ist: wir können den Einfluss des Reptiliengehirns verringern: Entspannungstechniken sind an dieser Stelle Gold wert. Zudem können wir durch NLP (Neurolinguistisches Programmieren) die Information im Unterbewusstsein verankern, dass wir völlig sicher sind und keine existenzielle Krise besteht. Daher sollten Führungskräfte Trainings besuchen, in denen diese Methoden vermittelt werden.


Während schlechter Stress etwas ist, was uns stört, ist guter Stress etwas, das wir bewusst für unsere Zwecke einsetzen können. Guter Stress ist eine Form des Stresses, den wir uns selbst auferlegt haben.


Es handelt sich hierbei um Situationen, bei denen nicht irgendeine Gefahr auf uns lauert, sondern bei denen uns unser Ehrgeiz, unser Kampfgeist, unser Anspruch und unser Wille motivieren, ein bestimmtes Ziel zu erreichen.


Wenn Sie Sport machen, ist Ihnen der gute Stress sehr vertraut. Sie haben eine bestimmte Laufstrecke und möchten ihre Bestzeit knacken. Sie wollen es sich selbst beweisen und sind bereit, hierfür große Belastungen in Kauf zu nehmen. Je stärker Ihr Wille ist, desto stärker ist auch Ihr Körper. Natürlich sind Sie aufgeregt, aber der Stress blockiert Sie nicht. Vielmehr werden Sie durch den guten Stress beflügelt. Ihre Leistungsfähigkeit wird angeregt.


Vielleicht spielen sie Schach oder Skat. Vielleicht haben sie sogar schon einmal ein Turnier gespielt. Sie wollten unbedingt eine gute Leistung bringen. Sie wussten, eigentlich geht es um nichts. Ihr Leben ist nicht in Gefahr, es geht nicht um Geld, nicht um Ihren Job. Aber es ging um Ihre Ehre, um Ihren Ehrgeiz und Ihren Siegeswillen. Sie haben in dieser Situation wahrscheinlich besser gespielt als je zuvor.


Das ist die Wirkung von gutem Stress. Guter Stress wird immer dann erzeugt, wenn wir uns ein Ziel sehr hoch stecken und daran glauben, dass wir es erreichen können. Ihr Unterbewusstsein tut dann alles, um Ihre Überzeugung, dass Sie erfolgreich sein werden, in die Realität zu bringen.


Wie können wir in der Praxis mit dem guten Stress arbeiten? Eine der effektivsten Möglichkeiten ist, uns knappe Zeitvorgaben für unsere Aufgaben festzulegen. So wie ein Sportler sich in regelmäßigen Abständen bei seiner Laufstrecke verbessert, so wollen wir uns bei unserer Arbeit verbessern.


Es gibt sicher arbeiten, die Ihnen zur Routine geworden sind. Sie wissen, dass Sie, zum Beispiel für einen bestimmten Bericht, ziemlich genau 4 Stunden benötigen. Nutzen Sie Ihren guten Stress! Sagen Sie sich heute: "Ich schaffe das auch in 3 Stunden. Ich bin gut in meinem Job. Wäre doch gelacht, wenn ich nicht 1 Stunde sparen könnte."


Vielleicht hört sich das für Sie schwierig an. Vielleicht sagen Sie sich: "Wenn ich das Ganze auch in 3 Stunden schaffen könnte, hätte ich das doch schon längst gemacht." Es gibt zu diesem Thema eine eigene Studie. Diese stammt von dem britischen Historiker Cyril Northcote Parkinson. Er stellte das nach ihm benannte Parkinson'sche Gesetz auf. Dieses Gesetz besagt, dass eine Arbeit genau in dem Maße ausgedehnt wird, wie Zeit zu ihrer Erledigung eingeräumt wird.

Wenn Sie also für Ihren Bericht statt 4 Stunden 5 Stunden einplanen, werden Sie auch genau diese 5 Stunden benötigen und nicht schon nach 4 Stunden fertig sein, wie sonst immer.


Kehren Sie diese Abwärtsspirale um und nehmen Sie sich 3 Stunden, oder sogar 2 Stunden vor. Ihr Ehrgeiz und Ihr Wille werden geweckt. Weil Sie ein klares, herausfordern des Ziel vor Augen haben, werden Sie viel konzentrierter und zielstrebiger als sonst arbeiten. Auf diese Weise können Sie sehr viel Zeit sparen.


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